Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Begriffserklärung: Psychiatrie, Psychiater, Psychotherapeut, Psychologe

Informationen rund um den Beruf des Psychiaters finden Sie auch auf dem DGPPN-Webportal generation-psy.de.

Das medizinische Fachgebiet der „Psychiatrie" umfasst per Definition das Wissen, die Erfahrung und die Befähigung zur Diagnostik, Behandlung und Prävention sowie Rehabilitation psychischer und  psychosomatischer Erkrankungen und Störungen - speziell unter Anwendung sozio- und psychotherapeutischer Verfahren. Der Begriff ist etymologisch aus dem Griechischen für „Psyche“ (Seele) und „iatrós“ (Arzt) zusammengesetzt und bedeutet wörtlich übersetzt etwa „Seelenheilkunde.“

Vereinfacht ausgedrückt beschäftigt sich die Psychiatrie mit allen Gesundheitsstörungen und Auffälligkeiten, welche die Psyche eines Menschen betreffen, seien sie nun seelischen oder körperlichen Ursprungs. Neben der psychischen und der somatischen Dimension muss zudem noch die soziale Dimension mit einbezogen werden, da der Mensch in seiner individuellen Gegebenheit im Kontext eines sozialen Umfeldes steht. Somit bestimmen die psychische, die somatische und die soziale Ebene das psychiatrische Verständnis seelischer Erkrankungen.

Im Laufe der Entwicklung des Faches „Psychiatrie" haben sich in Deutschland neben dem eigenen Fachgebiet, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und der Psychosomatik u. a. auch Spezialisierungen wie die Gerontopsychiatrie und –psychotherapie, und die forensische Psychiatrie herausgebildet.

Der Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Ein Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie untersucht und behandelt krankhafte Veränderungen und Störungen der Gefühle, des Denkens, aber auch der Stimmungen, des Antriebs, des Gedächtnisses oder des Erlebens und Verhaltens. Dabei geht es einerseits um ein psychologisches Verständnis menschlichen Erlebens und Verhaltens, andererseits aber auch um eine somatische Betrachtung von ursächlich körperlichen Erkrankungen (z.B. des Gehirns), die sich auf das seelische Erleben auswirken können.

Im Unterschied zum (nichtärztlichen) „psychologischen Psychotherapeuten“ kann der Psychiater als Arzt auch mögliche körperliche Ursachen von scheinbar psychischen Störungen oder Erkrankungen sowie die Wechselwirkungen von psychischen und körperlichen Faktoren erfassen. Zudem kann er bei Notwendigkeit und entsprechender Indikation auch Medikamente verordnen. Der Psychiater kann einen Patienten also medikamentös oder psychotherapeutisch behandeln, oder meist beides kombinieren, man spricht dann von der integrativen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Schließlich kann der Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie soziotherapeutische Angebote als drittes Standbein der Therapie falls notwendig ergänzen.

Psychische Erkrankungen

Eine psychische Erkrankung wird als länger andauernde oder wiederholt auftretende erhebliche Abweichung im Erleben oder Verhalten definiert, welche die Bereiche des Denkens, Fühlens und Handelns betrifft. Neben der Abweichung von der Norm sind sowohl der persönliche Leidensdruck für den Betroffenen oder auch die Belastung für die Umwelt  weitere Voraussetzungen für das Vorliegen einer psychischen Erkrankung.
Psychische Erkrankungen werden immer mehr diagnostiziert und gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Fast jeder zweite Mensch entwickelt mindestens ein Mal in seinem Leben eine relevante psychische Störung. In den letzten Jahren ist auch die Anzahl der Krankheitstage und die Frühberentungen infolge von psychischen Erkrankungen stetig angestiegen, wobei hier Depressionen und Angststörungen einen Großteil der Diagnosen ausmachen.

Psychischen Erkrankungen liegen meist mehrere Ursachen (multifaktoriell) zu Grunde. Neben genetischen Faktoren und körperlichen Erkrankungen können aktuelle Lebensereignisse und Lebenssituationen, zurückliegende belastende Ereignisse, seelische Konflikte und zwischenmenschliche Spannungen die Entwicklung einer psychischen Störung fördern. Häufig sind Störungen des Gehirnstoffwechsels und Veränderungen der Gehirnsubstanz an deren Entstehung beteiligt.

Behandlung psychischer Erkrankungen

Entsprechend der komplexen Entstehung (Genese) von psychischen Erkrankungen und Störungen sind Therapie und Rehabilitation mehrdimensional ausgerichtet - in Form eines vernetzten Systems ambulanter, stationärer, teilstationärer und weiterer übergreifender Versorgungseinrichtungen. Eine optimale Versorgung von Patienten mit psychischen Störungen erfordert die Koordination und Kooperation mit Gebieten wie der der Neurologie und ähnlichen Disziplinen, der psychosomatischen Medizin, der Allgemeinmedizin, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie der klinischen Psychologie. Darüber hinaus ist das Wissen aktueller neurobiologischer, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse erforderlich.

Psychische Erkrankungen werden mit Psychotherapie oder Arzneimitteln (Pharmakotherapie) bzw. häufig durch die Kombination beider Therapieverfahren behandelt. Welche Verfahren im Einzelfall zum Einsatz kommen, hängt von der jeweiligen Erkrankung bzw. Störung und auch von den Präferenzen des Betroffenen ab. Bei mittelschweren und schweren Erkrankungen kombiniert man meist Medikamente und Psychotherapie, bei leichteren Erkrankungen wird dagegen eher eine rein psychotherapeutische Beratung bzw. Behandlung durchgeführt.

Im Sinne der Qualitätssicherung im Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie werden seit vielen Jahren von den Fachgesellschaften praxisbezogene Leitlinien erstellt. Diese haben zum Ziel, allen in der Krankenversorgung tätigen Personen Wissen zur Verfügung zu stellen, um psychische Erkrankungen und Störungen nach den gültigen Regeln der Heilkunst diagnostizieren und behandeln zu können.

Psychiatrische Diagnosesysteme

Psychiatrische Diagnosen werden heute aufgrund internationaler Übereinkünfte gestellt - zunächst ohne dass damit etwas über die Ursachen der Erkrankungen ausgesagt wird. Die Diagnosesysteme ordnen psychische Krankheiten nach ihren Symptomen, d.h. sie beschreiben lediglich ihr Erscheinungsbild und machen keine Aussage über die Ursache einer Erkrankung. Der Inhalt der Diagnosesysteme ist eine von Experten beschlossene Zusammenstellung von Symptomen, um Diagnosen reproduzierbar zu gestalten und die Heilung zu erleichtern.

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases, Injuries and Causes of Death) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikations- und Verschlüsselungssystem. In Deutschland sind die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und ärztlich geleiteten Einrichtungen dazu verpflichtet, Diagnosen nach ICD-10 zu verschlüsseln.
Das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen (DSM, engl.:  Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (APA). Das DSM-IV ist ein Ersatz und/oder eine Ergänzung für die jeweiligen Passagen im ICD-10.
Mit dem Erscheinen von ICD-11 und DSM-5 in den kommenden Jahren sind Veränderungen in der Klassifikation Psychischer Erkrankungen zu erwarten.

Begriffserklärung - Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut

Der Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Eine Facharztweiterbildung zum Psychiater und Psychotherapeuten beinhaltet neben der medizinischen Grundausbildung und Absolvierung des Staatsexamens weitere fünf Ausbildungsjahre - vier Jahre entfallen auf die klinisch-psychiatrische und psychotherapeutische Weiterbildung, ein Jahr auf eine stationäre neurologische Weiterbildung. Eine solche Weiterbildung berechtigt zur Ausübung von psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungen.

Der Psychologe
Die Berufsbezeichnung „Psychologe“ darf nur von Personen geführt werden, die über den Abschluss eines Hochschulstudiums in Psychologie verfügen. Die Psychologie ist eine eigenständige empirische Wissenschaft, während die Psychiatrie ein Teilgebiet der Medizin ist. Die Psychologie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens sowie sämtliche dafür maßgeblichen inneren und äußeren Faktoren und Bedingungen. Während des Hauptstudiums werden Kenntnisse über die seelisch-körperliche Gesundheit und Krankheit sowie Grundlagen der wissenschaftlichen Psychotherapie vermittelt. Nach Studienabschluss kann der Psychologe eine mehrjährige Zusatzausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten / Psychoanalytiker absolvieren und damit die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten und sich “psychologischer Psychotherapeut“ nennen.

Der Psychotherapeut
Ein „Psychotherapeut“ kann grundsätzlich ein Arzt („ärztlicher Psychotherapeut“), ein Psychologe („psychologischer Psychotherapeut“) oder auch ein (Sozial-)Pädagoge sein, der neben seinem Hochschulstudium eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten absolviert hat.

Seit 1999 ist die Fachbezeichnung "Psychotherapie" gesetzlich geregelt und geschützt. Ärzte und Psychologen können eine entsprechende Weiterbildung nach Abschluss ihres Studiums absolvieren. Die Fachärzte für (Kinder- und Jugend)Psychiatrie und Psychotherapie bzw. der Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie erwerben die als Psychotherapeut notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen im Rahmen ihrer Facharzt-Weiterbildung nach Abschluss des Studiums. Der Psychologe erlangt dieses Wissen nach seinem Diplom nach entsprechendem Studium in Form einer mehrjährigen Weiterbildung. Anders als der Arzt darf er z.B. keine körperliche Untersuchung durchführen und keine Medikamente verordnen. Im Gegensatz zum Arzt hat der Psychologe jedoch die Grundlagen normalen menschlichen Verhaltens und Denkens studiert.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Sabine C. Herpertz, Heidelberg (DGPPN)