Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Krankheitsbilder und Symptome von Dystonie

Zervikale Dystonie (Torticollis spasmodicus/Schiefhals)

Diese auf den Halsbereich begrenzte, und somit fokale Dystonie, ist eine der häufigsten Formen. Bei den meisten Betroffenen setzt sie zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr ein, wobei es hinsichtlich der Häufigkeit keine Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht gibt. Der Beginn des Torticollis spasmodicus kann schleichend und ohne einen erkennbaren Anlass sein. Bevor die Kopfschiefstellung eintritt, können Verspannungen und Zittern (Tremor) erste Symptome sein.

Der Schiefhals äußert sich durch eine tonische (intensive Muskelanspannung von langer Dauer) oder ruckartige Drehbewegung oder Neigung des Kopfes zu einer Seite, nach vorne oder nach hinten. Die Bewegungen der betroffenen Hals- und Nackenmuskulatur verstärken sich z.B. bei emotionaler Erregung. Bei einer dauerhaften Dystonie kann es zu Fehlbelastungen ursprünglich nicht betroffener Muskelgruppen kommen, da die Patienten versuchen die Kopffehlstellungen auszugleichen.

Blepharospasmus (Lidkrampf)

Die zweithäufigste Form der fokalen Dystonie ist der Lidkrampf. Dabei kommt es zu einem ein- oder beidseitigem unwillkürlichen Zusammenkneifen der Augen, wobei helles Licht, Fernsehen oder auch Wind die Erkrankung verschlimmern können. Durch das permanente Zusammenkneifen der Augen kann es zu einer so genannten funktionellen Blindheit führen, was besonders beim Autofahren zu schwerwiegenden Problemen führen kann.

Beschäftigungsdystonien (z.B. Schreibkrampf)

Diese fokalen Dystonien sind aufgaben- oder aktionsspezifisch, d.h. sie sind nur an eine bestimmte Tätigkeit gebunden. Dazu gehört v.a. der Schreibkrampf, der dann auftritt, wenn handschriftliche Aufzeichnungen gemacht werden. Am Anfang sind nur Muskeln der Hand betroffen, wobei im weiteren Verlauf der Erkrankung auch Muskelgruppen des Armes hinzutreten können. Neben dem Schreibkrampf gibt es weitere Formen von tätigkeitsgebundenen Dystonien, wie beispielsweise der sogenannte Musikerkrampf, welcher insbesondere bei professionellem, und somit intensiven, Gebrauch eines Instruments auftreten kann (z.B. Pianistenkrampf).

Spasmodische Dystonie (Stimmbandkrampf)

Die Muskeln der Stimmbänder können ebenfalls von einer dystonen Bewegungsstörung betroffen sein. Die Stimme der Patienten klingt dann meist gepresst und angestrengt, mitunter auch sehr leise. Interessanterweise haben die Betroffenen zwar Probleme beim Sprechen, sind aber häufig in der Lage normal zu singen.

Oromandibuläre Dystonie (Mund,- Zungen-, Schlundkrampf)

Bei dieser Form der Dystonie führen Zuckungen und Krämpfe der Gesichtsmuskulatur zu grimassenartigen Verzerrungen des Gesichts. Befallen die Krämpfe die Zungen- und Schlundmuskulatur ist die Nahrungsaufnahme deutlich beeinträchtigt.

Meige-Syndrom

Dieses Krankheitsbild ist eine Kombination aus Blepharospasmus (Lidkrampf) und oromandibulärer Dystonie, wobei sie meist mit einem Lidkrampf beginnt.

Generalisierte Dystonie

Neben den bereits erwähnten, auf einzelne Körperbereiche begrenzten, Bewegungsstörungen steht die schwerste Form der Dystonie, die generalisierte Dystonie. Bei dieser Erkrankung sind mehrere Körperregionen gleichzeitig betroffen. Zum größten Teil beginnt diese Form im Kindes-/Jugendalter und hat häufig eine genetische Ursache.

Das Erscheinungsbild ist durch eine sehr große Vielfältigkeit gekennzeichnet, sowohl im Hinblick auf das Ausmaß der Betroffenheit als auch die familiäre Häufung. So können einzelne Familienmitglieder sehr schwer erkrankt und im höchsten Maße behindert sein, wohingegen Geschwister lediglich an einer fokalen oder segmentalen Dystonie leiden.

Im fortgeschrittenen Stadium kann diese Form der Dystonie mit erheblichen muskulo-skelettalen Veränderungen vergesellschaftet sein, die häufig mit Schmerzen hervorrufen und eine Pflegebedürftigkeit des Betroffenen bedingen. Daher ist eine frühzeitige Diagnosestellung und effektive Therapie von besonderer Bedeutung.  

Fachliche Unterstützung: Univ.-Prof. Dr. Alfons Schnitzler (DGN) und Priv.-Doz. Dr. med. Martin Südmeyer (DGN), Düsseldorf