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 Kinder & Jugendliche /  Schulverweigerung

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Schulverweigerung
 

Schulverweigerung

Schulverweigerung ist ein Gesamtphänomen mit unterschiedlichen Ausprägungen. Es beginnt oft harmlos mit vorübergehender Schulunlust und gelegentlichem Schwänzen einzelner Unterrichtsstunden. Dann kommt es mit zunehmender Schulmüdigkeit zu wiederholtem Fehlen während ganzer Schultage, was sich schließlich über Lernstreik und Leistungsverweigerung „aus Überzeugung“ steigern kann bis zum ständigen Fernbleiben von der Schule und Schulabbruch.

Die Gründe, warum Kinder nicht in die Schule gehen, sind nicht einheitlich, sondern beruhen auf verschiedenen Ursachen und Hintergründen. Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Ursachenkomplexe, die zum Fernbleiben vom Unterricht führen können: Schulangst, Schulphobie und Schulschwänzen.


Für jede Art von Schulverweigerung gilt, dass sie aus Sicht des Individuums einen Sinn macht: Durch sein Fernbleiben vom Unterricht vermeidet der Schüler eine negativ besetzte Situation bzw. entflieht ihr. Lästiges kann so abgewehrt, Bedrohliches vermieden oder Selbstwert geschützt werden. Das bringt ihm vorübergehend eine gefühlsmäßige Erleichterung. Dann allerdings treten Schuldgefühle hinzu, da er die Erwartungen von Lehrern und Eltern (und evtl. auch die eigenen) nicht mehr erfüllen kann. Dadurch entsteht zusätzliches Unbehagen oder noch mehr Angst vor der Rückkehr in die Schule und den zu erwartenden Reaktionen von verärgerten Lehrern oder spottenden Mitschülern. Insofern ist Schulverweigerung ein Verhalten, das sich immer weiter selbst verstärkt. Ist das Verhaltensmuster einmal entstanden, kann es sehr stabil sein. Der Schüler steckt in einem Teufelskreis.


14- bis 16-Jährige am häufigsten betroffen
Schulverweigerung ist ein Phänomen, das vor allem in Industriestaaten auftritt. Die Zahlen für ängstlich motivierte Schulverweigerungen häufen sich im Allgemeinen, wenn Schulwechsel oder neue Schulsituationen anstehen. Das betrifft vor allem die Altersgruppen der 6-Jährigen (Einschulung) und 10- bis 11-Jährigen (Wechsel in höhere Schule).


Für Häufigkeitsangaben liegen in Deutschland nur Schätzungen vor. Das liegt u.a. daran, dass Schulversäumnisse zwar in die Unterrichtstagebücher eingetragen, aber bisher nicht zentral ausgewertet wurden. Seit März 2005 müssen nun zumindest die Berliner Schulen die Fehltage ihrer Schüler an die Bildungsverwaltung melden, damit die Statistik über Schulverweigerer aktualisiert werden kann.


Man geht davon aus, dass es bei etwa 10 bis 20% der Schüler in Deutschland zu Schulverweigerung kommt, wobei nicht angegeben wird, wie oft und aus welchen Motiven sie dies tun. Die Mehrzahl der Verweigerer (fast drei Viertel) sind 14 bis 16 Jahre alt und besuchen die Haupt- und Sonderschulen (80%). Mehr als 9% eines Altersjahrgangs verlassen die Schulen ohne Abschluss und haben damit ein siebenfach erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden (im Vergleich zu Hochschulabsolventen).


Die Daten entstammen größtenteils einem Bericht zum Thema „Schuleschwänzen“ (2004), der im Rahmen eines Studienprojekts der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin (Fachbereich Polizeivollzugsdienst) erstellt wurde


Mögliche Folgen
Schulverweigerung führt oft zu schulischen Lerndefiziten und schlechten Zeugnisnoten. Dies kann einen geringeren Schulabschluss und spätere gesellschaftliche Nachteile zur Folge haben. 


Die Schule stellt aber auch einen wichtigen Ort der Sozialisation für junge Menschen dar. Deshalb kann häufiges Fernbleiben vom Unterricht auch große Einbußen in der Entwicklung von Sozialkompetenz und einer gesunden Persönlichkeit der Kinder bedeuten. Manche von ihnen rutschen in die Kriminalität und Drogenabhängigkeit ab. Eine emotionelle Bindung an andere Menschen, die Akzeptanz des konventionellen, gesellschaftlichen Wertesystems und die Einbindung in gesellschaftliche Gruppen reduzieren hingegen das Risiko für Straffälligwerden und exzessiven Drogenkonsum.


Fehlzeiten in der Schule sind außerdem mit einem erhöhten Risiko für psychische Störungen verbunden. Zum Beispiel finden sich bei Betroffenen später (und zwar vermehrt während ihrer Ablösung von den Eltern und sozialen Eingliederung in die Gesellschaft) häufiger soziale Phobien, bipolare Störungen, Depressionen und Zwangsstörungen.


Diese Angaben stammen aus: http://www.alp.dillingen.de/aktuelles/mitteilungen/jas/schulverweigerung.pdf, einem Folienvortrag zum Thema "Schulverweigerung aus Kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht" von Müller und Helleis

 
 
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