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Anorexia nervosa (Magersucht)
 
Anorexia nervosa (Magersucht)

Krankheitsbild

Magersüchtige überbewerten die Themen „Figur“ und „Gewicht“ stark. Die Patienten wiegen sich mehrmals am Tag, jede Änderung des Körpergewichtes, im Grammbereich, wird akribisch verfolgt. Die starke Angst zuzunehmen (Gewichtsphobie) wird zum ständigen Begleiter. Kennzeichnend für eine Anorexie ist ein meist starker Gewichtsverlust, der grundsätzlich selbst herbeigeführt wird. Viele Patienten nehmen zudem ihren Körper falsch wahr (Körperschema-Störung). Sie überschätzen ihren Körperumfang und halten sich trotz Untergewicht für zu dick, bestimmte Körperregionen sind von diesen Befürchtungen besonders betroffen (Bauch, Hüften, Oberschenkel). Das Tragische ist, dass die Patienten davon wirklich überzeugt sind und selbst das Vorhalten eines Spiegels bei einem völlig abgemagerten Körper nichts daran ändert.

Eine Magersucht beginnt meist schleichend, trotz zurückhaltendem Ess-Verhalten rückt das Thema „Essen“ immer mehr in den Mittelpunkt der gedanklichen Interessen. Die Idee zu dick zu sein, ist stets präsent. Bei den Betroffenen unterscheidet man zwei Typen:
· Die einen (so genannter restriktiver, „einschränkender“ Typ) verringern ihr Gewicht durch Kalorien- und Fetteinsparung bzw. Fasten,
· während die anderen (so genannter „purging“ Typ) zusätzlich gewichtsreduzierende Maßnahmen wie selbst herbeigeführtes Erbrechen oder Abführmittel einsetzen.
Extreme körperliche Aktivität, die einige Patienten wie einen Zwang erleben, wird oft bei beiden Typen beobachtet – bevorzugte Sportarten sind Joggen, Fahrradfahren, Gymnastik. Der bulimische Typ hat zusätzlich Heißhunger-Attacken.

Auffälliges Ess-Verhalten
Das Ess-Verhalten von Magersüchtigen ist generell auffällig. Lebensmittel-Tabellen mit Kalorien- und Fettangaben sowie Diätpläne werden genauestens studiert. Anfangs meiden die Betroffenen vor allem hochkalorische Speisen bzw. Nahrungsmittel mit einem hohen Fettanteil (Schokolade, Chips, Milch, Sahne, Butter etc.), dann vielfach jede Form von Fleisch (Vegetarismus). Die Patienten sind oft sehr wählerisch, brauchen lange für geringste Nahrungsmengen und entwickeln regelrechte Ess-Rituale. Beispielsweise können Magersüchtige an einer Tomate/einem Apfel eine halbe Stunde essen, indem sie sie/ihn zerpflücken und mit dem Messer immer nur kleinste Teile herunterziehen, oder sie picken stundenlang an einer kleinen Scheibe Brot herum. Die Betroffenen nehmen nur das Allernotwendigste an Nahrung zu sich oder verweigern sie irgendwann völlig. Außerdem kann es – vor allem bei sehr jungen Patienten – sogar zu einer drastischen Reduzierung der Flüssigkeitsaufnahme kommen.

Beginnender Teufelskreis
Durch die andauernde Mangelernährung wird der Energieverbrauch des Körpers gesenkt, so dass bereits geringe Nahrungsmengen zu einer gewissen Gewichtszunahme führen. Dies veranlasst den Betroffenen, seine Nahrungsaufnahme noch strenger zu kontrollieren und noch weniger zu essen – ein Teufelskreis beginnt.

Die Patienten versuchen oft, die Menschen ihres Umfelds zu manipulieren. Sie lügen aus Angst wiederholt bezüglich ihrer Nahrungsaufnahme und verbergen die Ess-störungsbedingten Verhaltensweisen wie z.B. das selbst ausgelöste Erbrechen. Häufig leiden Magersüchtige zusätzlich auch an depressiven Verstimmungen und Ängsten. Es kommt zu einer gewissen sozialen Isolation, u.a. bedingt durch das Meiden von gemeinsamen Mahlzeiten sowie der Weigerung von Essen in der Öffentlichkeit z.B. in Form von Kneipen- und Restaurant-Besuchen. Häufig weisen Patient(inn)en im Zuge ihres Perfektionismus ein leistungsorientiertes Verhalten auf, welches sich z.B. durch verstärkte Konzentration auf die Schule, die Ausbildung bzw. den Beruf sowie übertriebenen, geradezu zwanghaften Ordnungssinn äußern kann.

Die Magersucht kann sich gerade beim bulimischen Typ zu einer Ess-Brech-Sucht (Bulimie) bei normalem Gewicht weiterentwickeln. Beim Übergang wird die Dauerdiät durch Ess-Attacken unterbrochen, gekoppelt mit anschließendem selbst ausgelösten Erbrechen. Dieser Verlauf wird bei etwa 20% der „ehemaligen“ Magersüchtigen beobachtet.


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