Unter Epilepsie versteht man eine Reihe von Krankheitsbildern, denen das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle ohne fassbaren Anlass gemeinsam ist. Der Arzt verwendet anstelle des Ausdrucks „epileptisch“ häufig den Begriff „zerebral“ – dieser stammt aus dem Lateinischen und kommt von cerebrum = Gehirn. Dadurch wird deutlich, dass es sich um Anfälle handelt, die ihren Ursprung in einer vorübergehend gestörten Hirntätigkeit haben.
Man kann sich einen epileptischen Anfall wie ein „Gewitter im Kopf“ vorstellen: Ähnlich einem Gewitter kommt es zu einer gleichzeitigen elektrischen Entladung der Nervenzellen im Gehirn. Je nachdem, welche und wie viele Nervenzellen beteiligt sind, äußert sich das in kleinen oder großen Krampfanfällen oder auch nur in kurzfristigen Bewusstseinsstörungen oder abnormen Wahrnehmungen. Die Krampfbereitschaft an sich ist eine generelle Eigenschaft des Gehirns, nicht nur des menschlichen Gehirns. Bei jedem Menschen kann unter bestimmten Voraussetzungen ein epileptischer Anfall ausgelöst werden, bis zu 5% der Bevölkerung sind irgendwann in ihrem Leben einmal davon betroffen. Man spricht hier auch von
Gelegenheitskrämpfen
, die von der Diagnose „Epilepsie“ abzugrenzen sind.
Bei der Epilepsie handelt es sich um die häufigste chronische Krankheit des Zentralnervensystems. Sie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Etwa 0,8% der Bevölkerung weltweit leiden daran, in Deutschland gibt es etwa 500.000 Erkrankte. Jährlich kommen auf 100.000 Menschen etwa 50 Neuerkrankungen. Bei ca. 75% der Epilepsie-Patienten treten die ersten epileptischen Anfälle bereits im Kindes- oder Jugendalter, vor dem 14. Lebensjahr, auf. Die epileptischen Anfälle müssen unterschieden werden von
Affektkrämpfen
, welche bei etwa 5% aller Kleinkinder vorkommen.
Epilepsie-Patienten müssen oft mit Vorurteilen kämpfen. Viele Menschen verbinden heute noch mit dem Begriff „Epilepsie“ etwas Rätselhaftes und Unheimliches. Einige Leute glauben auch, dass ein Zusammenhang zwischen Epilepsie und geringer Intelligenz besteht. Das ist sicherlich nicht der Fall, nur in seltenen Fällen kann die Entwicklung eines Kindes durch eine schwere Epilepsie verzögert werden. Berühmte Epilepsie-Patienten wie Alexander d. Große, G. J. Cäsar, Jeanne d’Arc, F. M. Dostojewskij, Napoleon I. und Sokrates lassen diese These ebenfalls anzweifeln. - Eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit ist dringend gefragt, denn für die Betroffenen sind die verständnislosen und ausgrenzenden Reaktionen ihrer Mitmenschen häufig eine größere Belastung als die Krankheit selbst, die heute gut behandelbar ist.