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Maßnahmen gegen Schulschwänzen
Eine Therapie gegen Schulschwänzen muss im Elternhaus ansetzen: Eltern mit mangelnder Grenzsetzung, Kontrollstärke und Unterstützung für ihre Kinder müssen lernen, für ihre Kinder da zu sein, klare Erwartungen zu formulieren, deutliche Grenzen zu setzen und auf deren konsequente Einhaltung zu achten. Nur so können sie den Orientierungsmangel ihrer Kinder wieder beheben.
Besonders hinderlich sind die folgenden Erziehungsstile, die Eltern unbedingt unterlassen sollten:
- Bagatellisieren von schulischen Misserfolgen
- Schuldzuweisung an die Schule und Totalfreisprechung ihrer Kinder
- Nachgeben, Tolerieren von Ausflüchten
- Völliges Gewährenlassen (Laisser-faire) und Gleichgültigkeit
- Unstetes und unberechenbares Handeln
- Druckausüben als alleinige Erziehungsmaßnahme
Jeder dieser Erziehungsstile führt zu Respektverlust und/oder Vertrauensverlust der Kinder gegenüber ihren Eltern. Es kommt zum Autoritätsverlust der Eltern, die Kinder wenden sich von ihnen ab. Schulzufriedenheit, Schulerfolg und Schulanwesenheit scheinen hingegen direkt zusammenzuhängen mit elterlichem Interesse, emotionaler und praktischer Unterstützung und Kontrolle ihrer Kinder, sowie einem guten Familienzusammenhalt.
Dabei ist es wichtig, so früh wie möglich einzugreifen. Schon wenige unentdeckte oder seitens der Schule und Eltern nachlässig verfolgte Schwänztage können den Wiedereinstieg der „abtrünnigen“ Schüler massiv erschweren. Deshalb sollte auch die Schule möglichst schnell auf Schwänzer reagieren: Die Lehrkräfte müssen klare Regeln und Konsequenzen mit den betreffenden Schülern vereinbaren, außerdem Kontakte zu ihren Eltern knüpfen und regelmäßige Gespräche mit ihnen führen. Ggf. muss ein Schulpsychologe oder das Jugendamt eingeschaltet werden. Grundsätzlich sollten Erwachsene den Schülern vermitteln, dass sie diese in ihrer Person akzeptieren, auch wenn sie einzelne ihrer Verhaltensweisen kritisieren.
Es gibt auch Wege, notorischen Schulschwänzern eine Rückkehr in den Schulalltag und eine Zukunft ohne Kriminalität und Drogenabhängigkeit zu ermöglichen. In so genannten Schul- und Lernwerkstätten, die oft mit den örtlichen Jugendhilfen zusammenarbeiten, werden Jugendliche von Sozialpädagogen und Lehrern innerhalb eines Schuljahres allmählich wieder an den Schulalltag und das Lernen herangeführt, so dass sie schließlich in ihre normalen Schulen zurückkehren und einen Schulabschluss erreichen können.
Maßnahmen zur Vorbeugung von Schulschwänzen „Das beste Mittel gegen Schwänzen ist ein Unterricht, bei dem die Schüler Angst haben etwas zu versäumen, wenn sie nicht hingehen.“ Das ist zumindest die Auffassung des Verbands für Bildung und Erziehung (VBE) von Baden-Württemberg: Lehrer sollten einen möglichst abwechslungsreichen, interessanten Unterricht bieten. Die Bürgerstiftung Berlin fordert mehr Angebote im kreativen Bereich: Gerade über Kunst- oder Musikprojekte könnten Jugendliche wieder an die Schule herangeführt werden, Selbstbewusstsein und Spaß am Lernen bekommen.
Da Schulverweigerung ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, sollten alle Beteiligten zusammenarbeiten, und sich nicht - wie dies manchmal der Fall ist – gegenseitig den „Schwarzen Peter“ zuschieben. Als nachgewiesene „Schutzfaktoren“ für Schüler gelten:
- Erwachsene, die ermutigen, auf schulische Erfolge Wert legen und unterstützen
- Stabilität und Kontinuität in der Betreuung (mind. 1 berechenbare Bezugsperson)
- Freunde, die sich für die Schule engagieren
- Befriedigende, herausfordernde und konstruktive Freizeitinteressen
- Sprach- und Lesekompetenz
- Regelmäßige Anwesenheit in der Schule
Eine Praxis, die sich in den Schulen gut bewährt hat, ist die regelmäßige Anwesenheitskontrolle der Schüler zum Unterrichtsbeginn. So können Unterrichtsversäumnisse festgehalten und die Erziehungsberechtigten umgehend telefonisch benachrichtigt werden. Zusätzlich sollten schwänzende Schüler direkt auf ihr Fernbleiben angesprochen werden und ihre persönlichen Gründe und gegenwärtige Einstellung zur Schule darlegen müssen. Anstatt sich mit einer undifferenzierten „Ich habe halt null Bock“-Antwort zufrieden zu geben, müssen sich im Dialog beide Seiten bemühen, die tatsächlichen Hintergründe und Motive des Schülers gemeinsam herauszuarbeiten.
Falls das alles nichts hilft, muss Anzeige erstattet werden. Unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht (dazu gehört auch ein eigenmächtiges Verlängern der Ferien durch die Eltern) ist eine Verletzung der Schulpflicht und damit eine Ordnungswidrigkeit, die je nach Bundesland mit bestimmten Geldstrafen (pauschal oder in Tagessätzen) geahndet werden kann. Besonders wirksam sind Geldstrafen, wenn die betreffenden Schüler selbst für sie aufkommen müssen. Sind sie noch nicht volljährig, trifft es die Eltern. Falls nötig, lässt sich auch die Jugendhilfe einbinden.
Auch vonseiten der Politik wurden bereits Projekte veranlasst, um Schulschwänzer wieder für das Lernen zu motivieren. So zum Beispiel das Nürnberger Projekt „Schulschwänzen“, das mittlerweile auf ganz Bayern ausgeweitet wurde mit dem Erfolg, die Zahl der Freigänger nach drei Jahren auf die Hälfte eindämmen zu können. Dabei holt die Polizei auf Antrag der Schulen säumige Schüler von zu Hause ab und bringt sie in die Schule. Außerdem sucht sie aktiv die angesagten Jugendtreffpunkte (wie Kaufhäuser, Computerläden etc.) nach Schwänzern ab. Schul- und Jugendamt werden informiert, dann folgen ausgiebige „Erziehungsgespräche“.
Das Brandenburger Innenministerium hat vorgeschlagen, Schulschwänzer mit elektronischen Mitteln zu überwachen. Amsterdam erwägt eine Chipkarte gegen das Schulschwänzen einzuführen. Und Australien will per SMS gegen Schulschwänzer vorgehen... Weniger harte, und dennoch offenbar effektive, Maßnahmen bestehen darin, den Schülern ihre Zufriedenheit beim Schwänzen zu verderben: Durch nachfragende Telefonate und unvermittelte Hausbesuche, Zusenden von Arbeitsaufträgen während angeblicher Krankheit. Auch ein Abholdienst über Schülerpatenschaften lässt sich einrichten u.v.a.m.
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