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Seltenere Thematisierung depressiver Beschwerden könnte höhere Suizidrate bei Männern erklären
 
[01.07.2008] 

Seltenere Thematisierung depressiver Beschwerden könnte höhere Suizidrate bei Männern erklären

Von Depressionen und Angststörungen sind Frauen häufiger betroffen als Männer, gleichzeitig ist jedoch die Suizidrate bei Männern höher. „Möglicherweise sind diese Unterschiede darauf zurückzuführen sind, dass Männer gegenüber Ärzten weniger häufig von seelischen Beschwerden berichten“, erklärt Dr. Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP). Wissenschaftler um Ottar Bjerkeset von der Universität Trondheim, Norwegen, haben dazu eine Studie mit 26 044 Frauen und 24 648 Männern durchgeführt, die in der aktuellen Ausgabe des British Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde.

Anhand eines standardisierten Tests ermittelten die Forscher, dass 5,9% der Frauen und 4,8% der Männer klinisch relevante Symptome einer Depression und einer Angststörung aufwiesen. „Innerhalb einer Untersuchungszeitraumes von 8 Jahren waren 14 Frauen und 27 Männer durch Selbstmord gestorben“, berichtet Dr. Roth-Sackenheim. „Allerdings ereigneten sich nur 11 der Selbstmordfälle (27%) unter denjenigen Studienteilnehmern, die auffällige Symptome einer Depression und Angststörung gezeigt hatten. Die anderen 30 Selbstmordopfer hatten keine ausgeprägten seelischen Beschwerden angegeben. Diese Befunde lassen vermuten, dass die unterschiedliche Häufigkeit sowohl von Depression als auch von Suizid zwischen den Geschlechtern darin begründet sein könnte, dass Männer gegenüber Ärzten seltener von seelischen Probleme berichten.“

Diese Theorie wird auch durch Daten früherer Studien gestützt, die belegen, dass Männer, die sich in psychiatrische Behandlung begeben, kein erhöhtes Suizidrisiko gegenüber Frauen haben. „Möglicherweise könnte auch eine stärkere Stigmatisierung einer Depression bei Männern dazu führen, dass Männer depressive Symptome weniger häufig thematisieren. Ob dieser Zusammenhang besteht, muss allerdings in weiteren Forschungen ermittelt werden“, sagt Dr. Roth-Sackenheim. „In jedem Fall sollten Menschen, die unter anhaltender Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit oder unter Kopf- und Rückenschmerzen ohne körperliche Ursache leiden, nicht zögern, die Hilfe eines Psychiaters in Anspruch zu nehmen.“



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