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Kinder mit einer Tic-Störung brauchen Geduld der Eltern
 
[18.07.2007] 

Kinder mit einer Tic-Störung brauchen Geduld der Eltern

Plötzlich einsetzenden, abrupten Bewegungen oder Lautäußerungen, so genannten Tics bei Kindern sollten Eltern mit Nachsicht und Zuneigung begegnen, da sie nicht willentlich gesteuert werden können. „Betroffene Kinder zwinkern häufig, rollen die Augen, nicken mit dem Kopf oder sperren den Mund auf. Der Tic kann aber auch als scheinbar sinnvolle Bewegung wie Hüpfen, Klatschen oder Berühren von Gegenständen ablaufen“, erklärt Prof. Aribert Rothenberger von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). „Vokale Tics variieren von Räuspern, Schniefen und Schnalzen bis zum Äußern und Wiederholen von Silben oder unanständigen Wörtern.“ Häufig spüren Betroffene eine innere Anspannung oder haben eine erhöhte Sensitivität in einem bestimmten Körperbereich, bevor es zu einem Tic kommt. „Die Symptome können durch starke Gefühle wie Ärger oder Freude verstärkt werden, bei Ablenkung und Entspannung lassen sie nach“, erläutert der Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Göttingen. „Deshalb ist es wichtig, im Umgang mit dem Kind dem Tic möglichst wenig Beachtung zu schenken.“

In der überwiegenden Zahl der Fälle legen sich Tics bei Kindern genauso schnell wie sie gekommen sind. „Meist dauern die Tics nur wenige Wochen oder allenfalls einige Monate an“, berichtet der Kinder- und Jugendpsychiater. “Dauern sowohl Bewegungs- als auch Geräusch-Tics länger als ein Jahr an, besteht allerdings die Möglichkeit einer Erkrankung am Tourette-Syndrom , dessen Ausprägung in der Regel im späten Jugendalter deutlich nachlässt und das mitunter auch völlig verschwinden kann. Nur selten bleiben die Tics ein Leben lang bestehen.“ Bei dieser Störung kommt es zu Bewegungs- und Geräusch-Tics, nur selten auch mit Selbstverletzung und der Wiederholung von aggressiven und obszönen Wörtern. Bei einer starken Ausprägung des Tourette-Syndroms ist der Leidensdruck für die Betroffenen durch die auffälligen Krankheitszeichen oft hoch. „Beobachten Eltern bei ihren Kindern Tics über mehrere Wochen, so ist es ratsam, die Auffälligkeiten durch einen Kinder- und Jugendpsychiater abzuklären“, empfiehlt Prof. Rothenberger. „In einer Verhaltenstherapie können betroffene Kinder Strategien zum Umgang mit der Erkrankung entwickeln. Zusätzlich kann eine medikamentöse Behandlung die Symptome mildern.“

Man schätzt, dass bis zu 12% der Kinder im Grundschulalter vorübergehend an einer Tic-Störung leiden, bei 3-4% dauern die Symptome über ein Jahr an. Etwa 2% der Kinder sind vom Tourette-Syndrom betroffen.





 
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