Depressionen verstärken möglicherweise Schmerzen: Italienische Neurologen haben neue Belege dafür gefunden, dass eine Depression nicht nur die Verarbeitung von Schmerzimpulsen verändert, sondern auch das Schmerzempfinden intensiviert. Die Forscher vermuten den Grund darin, dass für die Verarbeitung von emotionalen Stimmungen im Gehirn teils die gleichen Regionen und Neurotransmitter zuständig sind wie für die Verarbeitung körperlicher Schmerzen. Das Team um Prof. Michele Tinazzi stellte seine Ergebnisse auf der 20. Jahrestagung der Europäischen Neurologischen Gesellschaft (ENS) in Berlin vor.
In ihrer Studie verglichen die Neurologen die Schmerzschwelle und auch die Schmerztoleranz von 25 Menschen mit noch unbehandelter Depression mit den Werten einer gesunden Kontrollgruppe. Als sie den Probanden leichte Stromimpulse an Händen und Füßen verabreichten, registrierten die Depressiven den Schmerz früher und empfanden ihn auch als unangenehmer als die Gesunden.
Sollte die die neue Erkenntnis wirklich zutreffen, dass die neurophysiologischen Regelkreise von Depression und Schmerz sehr eng zusammenhängen, könnten Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer in Zukunft unter Umständen beides gleichzeitig bekämpfen, betonten die europäischen Wissenschaftler. Dabei handelt es sich um eine Medikamentengruppe, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Sie hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in ihre Speicher im Gehirn und begrenzen so den Mangel an diesen Botenstoffen. Die Hypothese muss aber erst durch weitere, detaillierte Studien überprüft werden.