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Borderliner: Emotional instabil und oft impulsiv
 
[29.07.2010] 

Borderliner: Emotional instabil und oft impulsiv

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Solche Gefühlsschwankungen treten bei Menschen mit einer  häufig auf. Psychopharmaka sind nur eine kurzfristige und vorübergehende Hilfe. Gute Erfolge lassen sich auf Dauer nur mit Verhaltenstherapien erzielen.

Eben war noch alles bestens und die Stimmung gut. Doch schon im nächsten Moment sieht die Welt ganz anders aus: Es geht einem schlecht, Traurigkeit steigt hoch und die, die eben noch als gute Freunde erschienen, nerven jetzt. Starke Stimmungs- und Gefühlsschwankungen ähnlich wie diese sind typisch für Menschen mit einer Borderline-Erkrankung.

„Die emotionale Instabilität ist ein häufiges Symptom“, bestätigt der psychologische Psychotherapeut Andreas von Wallenberg Pachaly aus Düsseldorf. „Es ist ein bisschen wie ein Schwarz-Weiß-Empfinden - Grautöne gibt es nicht.“ Borderline ist jedoch mehr als das: Neben den deutlichen Stimmungsschwankungen, die teilweise durch kleinere Stressoren und zwischenmenschliche Erlebnisse ausgelöst werden können, ist auch das Verhalten von Instabilität geprägt. „Borderliner haben häufig ein sehr impulsives Verhalten“, erklärt Sabine Herpertz, Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie an der Uniklinik Heidelberg. „Dazu gehört auch ein selbstschädigendes Verhalten, das bedeutet, dass sich die Erkrankten selber verletzen.“ Nicht immer richten sich die Aggressionen jedoch gegen einen selbst.
„Gerade männliche Patienten richten ihre Wut auch gegen andere und greifen diese körperlich an.“ Menschen, die an der Borderline-Erkrankung leiden, haben außerdem häufig Probleme mit ihrer eigenen Identität, sagt Herpertz. Was macht mich aus? Welche Ziele habe ich? Was ist mir wichtig? Fragen wie diese könnten die Patienten oft nicht beantworten. „Hinzu kommt häufig ein Gefühl von Dissoziation, also das Gefühl, neben sich zu stehen und sich von außen zu betrachten.“

Die Erkrankung, deren erste Anzeichen meist schon im Jugendalter auftreten, hat verschiedene Ursachen. Auch genetische Faktoren spielen laut Herpertz eine Rolle. Hinzu kommt, dass viele Betroffene als Kinder traumatische Erlebnisse hatten. „Dazu gehören beispielsweise emotionale Vernachlässigung, ein schwerer Verlust, Gewalt oder sexueller Missbrauch“, zählt Frank-Michael Gann, Mitbegründer eines Online-Selbsthilfe-Forums aus München, auf. Er kennt die Krankheit seit Jahren unter anderem als Angehöriger.

„Solche Erfahrungen können dazu führen, dass die Menschen nicht lernen, sich emotional zu äußern, sondern ihre Gefühle stattdessen zu unterdrücken versuchen“, erklärt er. Wer nicht sagen kann, was ihn stört oder bewegt, baue innerlich möglicherweise einen gewissen Druck auf - und explodiere irgendwann regelrecht. „Dieser Impuls-Kontroll-Verlust ist für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen und Freunde häufig ein sehr großes Problem.“

Bei der Therapie gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. „In schlimmen und akuten Fällen können Psychopharmaka helfen, bestimmte Gefühle zu dämpfen und so zum Beispiel die Gefahr eines Selbstmordes zu verringern“, erklärt von Wallenberg Pachaly. Auf Dauer sei aber eine Psychotherapie deutlich hilfreicher. Dabei gibt es zum einen die Möglichkeit der dialektisch-behaviouralen Therapie. „Sie ist ähnlich einer Verhaltenstherapie, wurde jedoch speziell für dieses Krankheitsbild entwickelt“, sagt Herpertz. „Die Patienten lernen mit ihren Problemen in der Affektsteuerung umzugehen.“ Also: Wie kann ich merken, dass ich in einer Situation angespannt werde? Und wie kann ich mit diesen Emotionen umgehen? Eine andere Möglichkeit sei die sogenannte Schema-Therapie. „Die Patienten spielen mit dem Therapeuten auf imaginärer Ebene lebensgeschichtlich entscheidende Situationen durch, aus denen sich grundsätzliche Annahmen über die eigene Person entwickelt haben, und versuchen zu neuen Lösungswegen zu kommen“, erklärt Herpertz. Hinzu kommen weitere Therapieverfahren, die in den vergangenen 10 bis 20 Jahren entwickelt worden sind. „Es hat sich sehr viel getan auf diesem Gebiet“, sagt die Expertin. „Man hat das Krankheitsbild besser verstanden und neue Therapien entwickeln können - mittlerweile kann etwa 50 Prozent der Patienten durch eine Therapie sehr gut geholfen werden.“ Bei anderen könnten die Symptome zumindest gemildert werden.





 
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