Menschen, die unter Schizophrenie leiden, können durch einen selbstverantwortlichen Umgang mit ihrer Erkrankung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Je mehr sie über die Besonderheiten ihrer Erkrankung wissen, umso gezielter können sie am Behandlungsprozess mitwirken und ungünstige Gefühle von Hilflosigkeit verringern. Neben einer zuverlässigen medikamentösen Therapie ist es dabei besonders wichtig, frühe Anzeichen für einen Rückfall wahrzunehmen und rechtzeitig gegenzusteuern. „Solche Alarmzeichen können beispielsweise erhöhter Nikotinkonsum, Reizbarkeit, Angst und Depressivität, eine veränderte Körperwahrnehmung sowie Schlafstörungen oder sozialer Rückzug sein. Patienten können im Rahmen von psychoedukativen Verfahren erlernen, auf welche Verhaltensweisen oder psychischen Befindlichkeiten sie bei sich achten sollten, die einer möglichen erneuten Erkrankungsphase vorausgehen“, erläutert Prof. Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „In der Psychoedukation trainieren Patienten Strategien, um seelische Belastungen wahrzunehmen und zu reduzieren. Sie lernen darüber hinaus, Möglichkeiten zur Bewältigung von beginnenden Krisen zu entwickeln - wie etwa einen persönlichen Notfallplan unter therapeutischer Anleitung auszuarbeiten und bereitzuhalten.“ Als günstig hat sich ebenso erwiesen, dass Familienangehörige an einer solchen Therapie teilnehmen und ihre erkrankten Partner oder Angehörigen dabei unterstützen, Warnzeichen eines Rückfalls zu erkennen und einer akuten Erkrankungsphase entgegenzuwirken.
Neben der Psychoedukation und der Medikamenteneinnahme können schizophrene Menschen auch durch ein Training ihrer kognitiven Fähigkeiten den Umgang mit der Krankheit erleichtern und die Bewältigung alltäglicher Aufgaben verbessern. Teil des Krankheitsbildes sind kognitive Störungen, die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration und die Gedächtnisleistung beeinträchtigen und das alltägliche Leben trotz guter Kontrolle von psychotischen Symptomen sehr belasten können. „Durch gezieltes Training, für das inzwischen auch spezielle Computerprogramme zur Verfügung stehen, können Betroffene kognitiven Defiziten entgegenwirken. Indem sie an sich arbeiten, können sie lernen, ihre soziale Wahrnehmung zu verbessern und zwischenmenschliche Situationen richtig zu interpretieren und zu verarbeiten“, erklärt Prof. Schneider von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum in Aachen. „Eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten soll Patienten dabei unterstützen, mehr Kontrolle über ihr Leben zu bekommen. Auch sind sie eine wichtige Voraussetzung, um möglichst nicht aus dem beruflichen oder privaten Bezug herauszufallen. Auch andere verhaltenstherapeutische Maßnahmen haben die Verbesserung sozialer und emotionaler Kompetenzen zum Ziel. In Rollenspielen können Betroffene unter therapeutischer Anleitung Selbstsicherheit trainieren und Verhaltensweisen üben, die für eine erfolgreiche Interaktion mit anderen Menschen erforderlich sind.
Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, von der etwa 1% der Bevölkerung weltweit zumindest einmal im Leben betroffen ist. Etwa 13.000 Menschen werden in Deutschland pro Jahr erstmals mit dieser Diagnose konfrontiert. Der Zeitpunkt der Ersterkrankung liegt bei Männern meist zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr, bei Frauen im Durchschnitt etwas später zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr.