Die Düsseldorfer Universitätsklinik hat gemeinsam mit einer Auswahl von neurologischen Schwerpunktpraxen ein bundesweit einmaliges klinisch-ambulantes Kooperationsmodellprojekt initiiert, um die Diagnosequalität und Behandlung neurologischer Bewegungsstörungen zu verbessern. Die Zwischenbilanz des insgesamt einjährigen Pilotprojektes, die nun gezogen wurde, verdeutlicht bereits, dass die Patientenversorgung optimiert werden konnte. „Kern des Projektes ist eine gemeinsame Sprechstunde, die von einem klinisch tätigen Spezialisten und einem niedergelassenen Neurologen in dessen Praxis angeboten wird. Dabei erhält der Patient die Möglichkeit, im Beisein des vertrauten Arztes und in gewohnter Atmosphäre Einblick in das gesamte Spektrum klinischer Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten zu bekommen. Dies kann mitunter zu einem Abbau von Schwellenängsten und zugleich zu einer höheren Akzeptanz von modernen effektiven Therapieverfahren führen. Inzwischen wurden 220 Patienten im Rahmen der Kooperation untersucht und behandelt. Dabei beurteilten die Patienten das gesamte Projekt fast ausschließlich „sehr positiv“, fasst der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN) Dr. Uwe Meier zusammen, der als niedergelassener Neurologe an dem Projekt beteiligt ist.
Spät- und Fehldiagnosen sollen vermieden werden
Für eine optimale Behandlung von Menschen mit neurologisch bedingten Bewegungsstörungen, etwa durch Parkinsonsyndrome , Tremorerkrankungen oder unwillkürliche Muskelkontraktionen (Dystonien ), ist eine möglichst frühe und korrekte Diagnose von großer Bedeutung. Die Realität jedoch zeigt, dass viele der betroffenen Patienten häufig eine nicht immer hinreichende Therapie erfahren, und auch, dass das gesamte therapeutische Spektrum an klinischen Möglichkeiten nach neuestem Wissenstand nicht immer ausgeschöpft wird. Ferner kann es auch zu Fehldiagnosen bei neurologisch bedingten Bewegungsstörungen kommen, indem diese zunächst etwa auf rheumatische Beschwerden, Depressionen oder psychosomatische Erkrankung zurückgeführt werden. „Bis zur Diagnose und zum effektiven Therapiebeginn einer Parkinson-Erkrankung vergehen in Deutschland durchschnittlich über zwei Jahre, und die Patienten konsultieren dabei zumeist mehrere Ärzte. Hier besteht Verbesserungsbedarf, um keine wertvolle Zeit für die Behandlung zu verlieren. Dies kommt letztlich auch dem Gesundheitssystem zugute, indem unnötige Kosten eingespart werden“, meint Dr. Martin Südmeyer, Oberarzt der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf, der das Modellprojekt konzipiert hat.
Berührungsängste vor modernen Therapien können verringert werden
Durch die gemeinsamen wöchentlichen Visiten des Düsseldorfer Kooperationsprojektes wird nun eine individuelle und persönliche Patientenbetreuung vor Ort angeboten. Dabei findet ein effektiver und unmittelbarer fachlicher Austausch über das gesamte Behandlungsspektrum von Bewegungsstörungen zwischen dem niedergelassenen Neurologen und dem Spezialisten der Uniklinik statt. „Wir freuen uns über die besondere Möglichkeit, gemeinsam mit den niedergelassenen Kollegen Patienten zu betreuen und diese über mögliche erweiterte diagnostische sowie therapeutische Maßnahmen zu beraten. Dabei ist von großem Vorteil, dass der niedergelassene Kollege den jeweiligen Patienten und seine Krankheitsgeschichte häufig schon über Jahre kennt“, berichtet Dr. Südmeyer. Scheint ein modernes Therapieverfahren indiziert, ist das Vertrauen des Patienten zu seinem Arzt häufig eine entscheidende Vorraussetzung, um Berührungsängste zu vermindern und die Entscheidung für ein solches Verfahren zu begünstigen. Die so genannte Tiefe Hirnstimulation ist beispielsweise eines dieser modernen Therapieverfahren, durch das eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität erzielt werden kann. Dabei wird dem betroffenen Patienten eine Elektrode operativ in das Gehirn eingesetzt, wodurch nachweislich Symptome wie ständiges Zittern oder motorische Fluktuationen bei M. Parkinson sehr erfolgreich behandelt werden können.
Langfristig soll das Düsseldorfer klinisch-ambulante Kooperationsprojekt durch den regelmäßigen Austausch zwischen niedergelassenen Neurologen und dem Universitätsklinikum die Behandlungsstandards verbessern. Das Modell lässt sich auch auf andere medizinische Disziplinen und Krankheitsbilder übertragen, bei denen durch eine engere klinisch-ambulante Zusammenarbeit eine Optimierung der Patientenversorgung ereicht werden könnte.