Jugendliche, die in armen Stadtbezirken leben, unternehmen 4-mal häufiger Selbstmordversuche als ihre Altergenossen, die in wohlhabenderen Gegenden aufwachsen. Zudem haben die Jugendlichen aus armen Vierteln doppelt so häufig Selbstmordgedanken. Dies zeigt eine Studie von kanadischen und US-amerikanischen Forschern. Die Wissenschaftler werteten dabei die Daten aus der Befragung von 2779 kanadischen Jugendlichen aus. Der Grad der Armut in den entsprechenden Stadtvierteln wurde im frühen und mittleren Teenageralter der teilnehmen Jugendlichen ermittelt. Im Alter von 18 und 19 Jahren wurden die Teilnehmer zu Selbstmordgedanken und Selbstmordversuchen innerhalb der letzten 12 Monate befragt.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Jugendlichen aus benachteiligten Gegenden ein höheres Maß an depressiven Symptomen zeigten und weniger soziale Unterstützung hatten. Doch diese Faktoren allein konnten die größere Häufigkeit von Suizidgedanken und –versuchen nicht erklären. „Vielmehr waren sie anfälliger, weil zum Beispiel die Tatsache, dass sie jemanden kannten, der Selbstmord begangen hatte, oder eine schmerzliche Trennung von einem Partner verstärkt zu Selbstmordgedanken oder –versuchen führte“, sagt Dr. Véronique Dupéré von der Tufts Universität, USA, die Leiterin der Studie. „Schwierige Lebensereignisse haben bei diesen Jugendlichen wesentlich stärkere Auswirkungen.“
Unabhängig vom soziookönomischen Hintergrund gab es bei allen Jugendlichen Faktoren, welche die Häufigkeit von Suizidgedanken und –versuchen erhöhten. Diese waren Hyperaktivität, Impulsivität, Depression, Substanzmissbrauch, wenig soziale Unterstützung, Erleben eines Selbstmordes im Umfeld sowie negative Lebensereignisse. Doch bei Jugendlichen aus armen Vierteln standen Hyperaktivität und Impulsivität deutlich stärker mit suizidalem Verhalten in Zusammenhang. „Widrigkeiten in der Umgebung können die Anfälligkeit erhöhen, Selbstmord in Betracht zu ziehen“, sagt Éric Lacourse von der Universität Montréal, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Nach der Einschätzung der Forscher könnte ein erleichterter Zugang von Jugendlichen zu sozialen Beratungsstellen dazu beitragen, suizidalen Verhaltensweisen bei Jugendlichen entgegenzuwirken. Es müsse dafür gesorgt werden, dass die Unterstützung und die präventiven Bemühungen bei den Jugendlichen in den benachteiligten Stadtvierteln ankommen.