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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was sind Dystonien?

Unter dem Begriff Dystonie (dys = fehlreguliert, tonus = Spannung) versteht man eine neurologische Bewegungsstörung, die mit unwillkürlichen Kontraktionen der quergestereiften Muskulatur einhergeht und zu teils repetitiven krampfhaften Bewegungen oder abnormen Fehlhaltungen einzelner Körperregionen bzw. des gesamten Körpers führen kann. Das klinische Bild kann dabei sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, weswegen die Diagnose teilweise schwer zu stellen sein kann. So existieren beispielsweise Dystonieformen die als eine dauernde Fehlstellung des Halses (Schiefhals), ständig unkontrolliertes Augenblinzeln (Lidkrampf) oder eine Verkrampfung der Hand in Folge von Übertraining (Schreibkrampf) imponieren. Diesen unterschiedlichen Dystonieformen können zudem verschiedene Ursachen zu Grunde liegen, die es durch den behandelnden Arzt abzuklären gilt. Dabei ist ein eigenständiges Erkrankungsbild (idiopathische Dystonie) von einem klinischen Syndrom im Rahmen einer anderen Grunderkrankung (symptomatische Dystonie), beispielsweise nach einer Durchblutungsstörung des Gehirns, abzugrenzen.

Abbildung eines menschlichen Gehrins, als Ursprung der Dystonien
(©Demenios - fotolia.com) Dystonien sind neurologisch bedingte Bewegungsstörungen

Weiterhin kann eine Dystonie auch als ein zusätzliches Krankheitssymptom bei anderweitigen neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel dem M. Parkinson, auftreten und bedarf dann einer gesonderten Behandlung. Allen Dystonieformen gemein ist die Tatsache, dass diese durch eine Fehlfunktion spezifischer Netzwerkverbindungen des Gehirns hervorgerufen werden. Dabei  spielt zumeist eine Störung der tieferen Gehirnzentren, den Basalganglien, eine besondere Rolle, denen eine krankhaft erhöhte Aktivität der dort lokalisierten Nervenzellen zu Grunde liegen soll.

Eine Dystonie kann in jedem Lebensalter auftreten und betrifft in Deutschland schätzungsweise mehr als 30.000 Menschen. In jedem Fall ist dann eine fachneurologische Abklärung von Nöten, da in vielen Fällen gute Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, über welche in den folgenden Kapiteln detailliert berichtet wird.

Fachliche Unterstützung: Univ.-Prof. Dr. Alfons Schnitzler (DGN) und Priv.-Doz. Dr. med. Martin Südmeyer (DGN), Düsseldorf